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Rückblick: Swiss Arctic Project 2018.

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Janine Wetter aus Fehraltorf durfte am «Swiss Arctic Project» teilnehmen und zusammen mit vier anderen StudentInnen in die Arktis reisen um von dort über die Folgen des Klimawandels zu berichten. Hier erzählt sie uns von ihren Erfahrungen:

«Mitte Juli, als die Temperaturen in der Schweiz immer weiter stiegen, machte ich mich auf in eine der kältesten Regionen der Welt. Gemeinsam mit vier anderen Schweizer StudentInnen durfte ich als Teilnehmerin vom «Swiss Arctic Project 2018» die beeindruckende Welt der Arktis erkunden. Unser Ziel war es die Auswirkungen vom Klimawandel in der Arktis, einem der am stärksten betroffenen Orte der Welt, zu dokumentieren und kommunizieren. Ich hätte mir zuvor nicht vorstellen können, was ich hier antreffen werde.

Einer der ersten Plätze, die wir besucht haben, war der Gletscher «Nordenskjöldbreen», dessen Gletscherfront sehr eindrücklich mehrere hundert Meter vor unseren Augen in die Höhe ragte. Das Eis strahlte in der warmen Mitternachtssonne in wunderschönen, klaren Blautönen. Kurz nach unserer Ankunft rief uns Charles Michel, Kapitän der MV San Gottardo und Initiator des Projektes, zu sich in die Brücke. Auf der Navigationskarte zeigte er uns, dass wir uns mitten auf dem Gletscher befinden. Er erzählte uns, dass diese Karten gerade einmal drei Jahre alt sind und sich der Gletscher in dieser Zeit offenbar so stark zurückgezogen hat, dass wir mit dem Schiff nun scheinbar auf den Gletscher fahren können. Ich war sprachlos und konnte kaum glauben, was ich hier mit eigenen Augen sah.

In Gedanken immer noch bei diesem Gletscher machten wir uns auf zur nahegelegenen, verlassenen russischen Siedlung «Pyramiden». Bis in die 1980er Jahre war diese Siedlung die nördlichste Kohlemine der Welt, bis die Siedlung von einem Tag auf den anderen verlassen werden musste, weil der Kohleabbau nicht mehr rentabel war. Noch heute kann man in den Gebäuden das Leben von damals spüren. An einer Wand im Kulturhaus entdeckten wir schliesslich ein Gemälde vom «Nordenskjöldbreen», dem Gletscher, den wir zuvor besucht hatten. Ich war überrascht, wie stark sich dieser Gletscher in den vergangenen Jahren zurückgezogen hat.

Die Expedition führte uns weiter nach Trygghamna, in eine kleine Bucht im Westen Spitzbergens, wo eine Herde Rentiere lebt. Noch nie zuvor habe ich Rentiere in der freien Natur so nahe erlebt. Einige neugierige Jungtiere kamen sogar auf uns zu und frassen gemütlich weiter. Leider erzählte mir der Biologe Maarteen Loonen, dass die Rentiere durch den Klimawandel bedroht werden. Es wird in Spitzbergen mehr Regnen und wenn die Temperaturen kalt genug sind, wird die Vegetation aufgrund des vermehrten Regens einfrieren und ihnen als Nahrung fehlen. Ausserdem erzählte er mir, dass auch die Walrosse zu den Verlierern zählen, weil sie auf das Meereis als Lebensraum angewiesen sind. Wenn dieses mit dem Klimawandel vermehrt verschwindet, haben Walrosse längere Wege, um zu ihrer Nahrung zu gelangen und sie verbrauchen mehr Energie. Er erzählte mir aber auch von einer Vogelart, die vom Klimawandel aufgrund des vermehrten Schmelzwassers profitieren kann.

Um Wasserproben für eine Forschungsgruppe der ETH Zürich zu sammeln, sind wir mit dem Schlauchboot an einen entlegenen Strand gefahren. Als ich ausgestiegen bin war ich schockiert von dem vielen Müll, der am ganzen Strand herumlag. Zahnpastatuben, Plastikstühle, Bierharassen, Fischernetze, Glasflaschen – um nur einige Beispiele zu nennen. Ich hätte nie damit gerechnet, an einem solch entlegenen Strand so viel Müll zu finden. Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir uns verhalten, als hätten wir einen zweiten Planeten. Von zwei Beamten habe ich erfahren, dass immer wieder Rentiere in den Fischernetzen am Strand verenden.

Nach diesem schockierenden Erlebnis besuchten wir noch einen letzten Gletscher vor unserer Rückreise, den Esmarkbreen-Gletscher. Zu Fuss konnten wir bis an die Gletscherkante wandern und den atemberaubenden Ausblick noch intensiver geniessen. Immer wieder hörte ich ein lautes Knarren vom Gletscher, das durch die ganze Bucht hallte. Gerade als wir das Abschlussfoto vor der Gletscherfront machen wollten, stürzte hinter uns ein riesiger Eisfels ins Meer. Der Abschied für unser Team aus der Arktis hätte nicht schöner sein können.

Mich persönlich hat die Arktis extrem fasziniert. Während das restliche Team zurück in die Schweiz gereist ist, werde ich bis Dezember hier in Spitzbergen bleiben und an der Universität studieren. Ich möchte noch mehr über die Region und das Ökosystem hier erfahren. Es macht mich nachdenklich, wenn ich sehe, wie vielseitig die Auswirkungen des Klimawandels auf die Arktis sind. Nicht nur die Gletscher und der Permafrost sind davon betroffen, auch Tiere und wir Menschen müssen uns in Zukunft anpassen. Ich wünsche mir, dass wir diese Welt noch lange erhalten können.»

Den Blog von Janine Wetter finden Sie unter www.janinewetter.ch

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